Vorzugsaktien für Dividendenanleger: Mehr Dividende, kein Stimmrecht – lohnt sich das? (2026)

Vorzugsaktien bieten eine höhere Dividende als Stammaktien — dafür verzichtest du auf das Stimmrecht. Für Dividendenanleger kann das ein lukrativer Deal sein. Wir erklären den Unterschied, zeigen alle deutschen Vorzugsaktien und analysieren, wann Vorzüge die bessere Wahl sind.

📋 Das Wichtigste in Kürze:

  • Vorzugsaktien = höhere Dividende, kein Stimmrecht
  • Stammaktien = Stimmrecht auf der HV, normale Dividende
  • In Deutschland gibt es ~15 Unternehmen mit beiden Gattungen (VW, BMW, Henkel, Sixt, etc.)
  • Die Dividendenmehrzahlung beträgt meist 2-6 Cent mehr pro Aktie
  • Vorzüge handeln oft mit einem Kursabschlag gegenüber Stämmen — das erhöht die effektive Rendite

📚 Was sind Vorzugsaktien?

Vorzugsaktien (englisch: Preferred Shares) sind Aktien einer Gesellschaft, die bestimmte Vorrechte gegenüber Stammaktien gewähren — in der Regel eine höhere oder vorrangige Dividende. Im Gegenzug verzichtet der Inhaber auf sein Stimmrecht in der Hauptversammlung.

In Deutschland ist die häufigste Form die stimmrechtslose Vorzugsaktie nach § 139 AktG. Diese erhält eine bevorzugte Dividende — wenn die Dividende in einem Jahr nicht gezahlt wird, muss sie im Folgejahr nachgezahlt werden (kumulative Vorzugsdividende). Falls die Dividende zwei Jahre hintereinander ausfällt, lebt das Stimmrecht wieder auf.

⚖️ Stammaktie vs. Vorzugsaktie: Der Vergleich

MerkmalStammaktieVorzugsaktie
Stimmrecht✅ Ja (1 Stimme pro Aktie)❌ Nein (außer bei Dividendenausfall)
DividendeStandardHöher (meist +2-6 Cent/Aktie)
Dividenden-Vorrang❌ Nachrangig✅ Vorrangig — wird zuerst bedient
Nachzahlungspflicht❌ Keine✅ Ausgefallene Dividenden werden nachgezahlt
KursOft höher (Stimmrecht hat Wert)Oft niedriger (→ höhere Dividendenrendite)
LiquiditätHöher (mehr Handel)Geringer (weniger Aktien im Umlauf)
Index-AufnahmeMeist im DAX/MDAXSelten in Indizes
LiquidationNachrangig✅ Vorrang vor Stammaktionären

🇩🇪 Deutsche Unternehmen mit Vorzugsaktien

UnternehmenBrancheStamm-WKNVorzug-WKNDiv.-Aufschlag VorzugKursabschlag Vorzug
BMWAuto519000519003+0,02 €/Aktie~5-10 %
VolkswagenAuto766400766403+0,06 €/Aktie~40-50 % ⚠️
HenkelKonsumgüter604840604843+0,02 €/Aktie~2-5 %
SixtMobilität723132723133Variiert~20-30 %
FuchsSchmierstoffeA3E5D5A3E5D6+0,01 €/Aktie~5-10 %
SartoriusLabortechnik716563716560+0,01 €/Aktie~15-20 %
DrägerwerkMedizintechnik555060555063+0,06 €/Aktie~30-40 %
JungheinrichLogistik621993621993+0,02 €/Aktie~10-15 %
BiotestPharma522720522723+0,04 €/Aktie~15-20 %
Stand 2026 — Kursabschläge sind Näherungswerte und schwanken je nach Marktphase

🧮 Rechenbeispiel: BMW Stamm vs. Vorzug

KennzahlBMW StammaktieBMW Vorzugsaktie
Kurs (ca.)85 €78 €
Dividende 20256,00 €6,02 €
Dividendenrendite7,06 %7,72 %
Stimmrecht✅ Ja❌ Nein
DAX-Mitglied✅ Ja❌ Nein
Durch den Kursabschlag liegt die Dividendenrendite der Vorzugsaktie 0,66 Prozentpunkte höher — bei praktisch identischem Unternehmen

✅ Wann Vorzugsaktien die bessere Wahl sind

  1. Dir ist nur die Dividende wichtig: Du gehst nie zur HV und brauchst kein Stimmrecht? Dann ist die Vorzugsaktie mit höherer Rendite die logische Wahl
  2. Großer Kursabschlag: Bei VW liegt der Abschlag bei ~45 % — die Vorzugsaktie ist dramatisch günstiger. Das Dividendenrendite-Plus ist erheblich
  3. Stabiles Unternehmen: Vorzugsaktien sind besonders attraktiv bei Unternehmen mit verlässlicher Dividendenpolitik (BMW, Henkel, Fuchs)
  4. Du willst Dividenden reinvestieren: Höhere Anfangsrendite = mehr Anteile beim Reinvestieren = stärkerer Zinseszinseffekt

⚠️ Wann Stammaktien besser sind

  1. Indexzugehörigkeit: Viele ETFs kaufen nur Stammaktien (weil sie im DAX/MDAX sind). Das stützt deren Kurse
  2. Höhere Liquidität: Stammaktien werden mehr gehandelt — bessere Spreads, leichterer Ein-/Ausstieg
  3. Übernahme-Phantasie: Bei feindlichen Übernahmen wird für Stimmrechte ein Aufschlag gezahlt (z.B. VW/Porsche)
  4. Der Kursabschlag kann sich verändern: Wenn der Markt Stimmrechte plötzlich höher bewertet, schrumpft der Vorzugs-Rabatt

🇺🇸 Preferred Shares in den USA — ein anderes Konzept

⚠️ US-Preferred Shares sind grundlegend anders als deutsche Vorzugsaktien. Sie ähneln eher Anleihen als Aktien:

Merkmal🇩🇪 Deutsche Vorzugsaktien🇺🇸 US Preferred Shares
DividendeVariabel (Aufschlag auf Stammaktie)Fest (z.B. 6,5 % auf Nennwert)
KursverhaltenWie normale Aktie (schwankt mit Unternehmen)Wie eine Anleihe (schwankt mit dem Zins)
Kündigbar❌ Nein✅ Oft nach 5 Jahren zum Nennwert
Typische Rendite3-8 %5-8 %
Stimmrecht❌ (lebt bei Ausfall wieder auf)❌ (in der Regel nie)

📝 Fazit

Für reine Dividendenanleger sind deutsche Vorzugsaktien oft die smartere Wahl: Du bekommst das gleiche Unternehmen, eine minimal höhere Dividende, und durch den Kursabschlag eine deutlich bessere Dividendenrendite. Das fehlende Stimmrecht ist für Kleinanleger in der Praxis bedeutungslos. Besonders attraktiv sind die Vorzüge von BMW, Henkel und Fuchs, wo der Kursabschlag moderat ist und die Dividendenpolitik verlässlich.


Was ist der Unterschied zwischen Stammaktie und Vorzugsaktie?

Stammaktien geben dem Inhaber ein Stimmrecht auf der Hauptversammlung, zahlen aber eine normale Dividende. Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht, bieten dafür eine höhere oder bevorzugte Dividende und oft einen Nachzahlungsanspruch bei Dividendenausfall.

Sind Vorzugsaktien besser für Dividendenanleger?

In der Regel ja. Durch den Kursabschlag (oft 5-20 % günstiger als Stammaktien) bieten Vorzugsaktien eine höhere Dividendenrendite bei praktisch gleichem Geschäftsrisiko. Das fehlende Stimmrecht ist für Privatanleger meist irrelevant.

Welche deutschen Unternehmen haben Vorzugsaktien?

Die bekanntesten sind BMW, Volkswagen, Henkel, Sixt, Sartorius, Fuchs, Drägerwerk, Jungheinrich und Biotest. Bei VW ist der Kursunterschied zwischen Stamm und Vorzug besonders groß (ca. 40-50 %).

Was passiert mit Vorzugsaktien wenn die Dividende ausfällt?

Bei deutschen stimmrechtslosen Vorzugsaktien muss die ausgefallene Dividende im Folgejahr nachgezahlt werden (kumulativ). Falls die Dividende zwei Jahre hintereinander ausfällt, lebt das Stimmrecht der Vorzugsaktionäre wieder auf — bis die Rückstände vollständig nachgezahlt sind.

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