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Quellensteuer Brasilien 2026

Zuletzt aktualisiert am 27.09.2026

Lesezeit: ~14 Minuten

Geprüft: 27. September 2026. Dieser Artikel behandelt deutsche Privatanleger ohne brasilianische Steueransässigkeit oder Betriebsstätte. Unternehmensbeteiligungen im Betriebsvermögen, Fonds und besondere Anlegerregime können anderen Regeln folgen.

Das Wichtigste in 30 Sekunden:
Für in Deutschland ansässige Privatanleger gelten seit 2026 in Brasilien grundsätzlich 10 % Quellensteuer auf gewöhnliche Dividenden und 17,5 % auf JCP. Übergangsregeln können ältere Ausschüttungen ausnehmen. Ein DBA mit Deutschland besteht nicht. Trotzdem ist eine deutsche Anrechnung möglich – aber nicht pauschal auf 15 % begrenzt. Bei steuerlich abgezogenen JCP ist außerdem der deutsche Steuertarif gesondert zu prüfen.

Inhaltsverzeichnis

  1. Die Grundlagen: Dividendensteuer seit 2026
  2. Sonderfall: Juros sobre Capital Próprio (JCP)
  3. Rechenbeispiel: Was bleibt netto?
  4. Kein DBA: Was folgt daraus?
  5. Die Rolle der Depotbanken
  6. Sonderfall: BRL/EUR-Wechselkurs
  7. Ländervergleich
  8. ETFs auf brasilianische Aktien
  9. Zinsen und Kursgewinne
  10. Acht brasilianische Aktien: Dividende oder JCP?
  11. Checkliste für brasilianische Aktien
  12. FAQ: Häufige Fragen

1. Die Grundlagen: Dividendensteuer seit 2026

DetailBis Ende 2025Seit 2026
Gewöhnliche Dividenden an AuslandsanlegerGrundsätzlich 0 % für Gewinne ab 1996Regulär 10 %; Übergangsausnahmen möglich
JCPRegulär 15 %Regulär 17,5 % bei neuem steuerlichem Zahlungs-/Gutschriftereignis
DBA Deutschland–BrasilienSeit 2006 nicht in KraftWeiterhin kein DBA
Deutsche AnrechnungNach deutschem Recht zu prüfenKeine allgemeine 15-%-Grenze; JCP gesondert behandeln
Brasilianische EntlastungAbhängig von Rechtsgrund und ZahlungKeine DBA-Entlastung; nationale Ansprüche separat prüfen

Die 10 % für Auslandszahlungen gelten unabhängig von der Höhe. Die oft genannte Grenze von 50.000 BRL je Monat betrifft die besondere Regel für in Brasilien ansässige natürliche Personen. Sie ist kein Freibetrag für deutsche Aktionäre.

Übergang ist nicht gleich Steuerfreiheit für jede Zahlung 2026:
Art. 10 § 5 der Lei 9.249 knüpft die Ausnahme unter anderem an Ergebnisse bis 2025, einen rechtzeitigen Ausschüttungsbeschluss und die Erfüllung nach dem ursprünglichen Beschluss. Die Receita-FAQ vom 19.12.2025 verlangt zusätzlich Zahlung beziehungsweise Gutschrift bis 2028. Der STF verlängerte die gesetzliche Beschlussfrist 31.12.2025 in einer vorläufigen Entscheidung vom 26.12.2025 auf 31.01.2026. Den endgültigen Ausgang dieser Verfahren haben wir nicht abschließend verifiziert. Entscheidend für deine Abrechnung sind deshalb auch die konkrete Emittentenmitteilung und deren Rechtsgrundlage.

Primärquellen: Lei 15.270/2025, Lei 9.249, Art. 9–10-A, Receita-FAQ, Fragen 15–22 und STF-Mitteilung zur vorläufigen Fristverlängerung.


2. Sonderfall: Juros sobre Capital Próprio (JCP)

„Juros sobre Capital Próprio“ – kurz JCP, auch JSCP oder Interest on Equity/Capital – sind Ausschüttungen auf Eigenkapital. Der Name „Zinsen“ macht sie nicht zu gewöhnlichen Sparzinsen. Der BFH hat JCP als Gewinnanteile eingeordnet; das Urteil von 2012 betraf allerdings einen historischen Unternehmens- und DBA-Fall.

AusschüttungsformBrasilianischer RegelsatzWichtige Abgrenzung
Gewöhnliche Dividende10 % seit 2026Übergangsregel für ältere Gewinne/Beschlüsse möglich
JCP17,5 % seit 2026Steuerereignis Zahlung oder Gutschrift; bereits früher versteuerte Gutschriften nicht allein nach späterem Auszahlungstag beurteilen
Der deutsche Tarif ist bei JCP ein eigener Prüfpunkt:
JCP können beim brasilianischen Unternehmen unter gesetzlichen Grenzen steuerlich abgezogen werden. Soweit Gewinnanteile das Einkommen der zahlenden Körperschaft gemindert haben, schließt § 32d Abs. 2 Nr. 4 EStG den besonderen 25-%-Tarif aus. Dann ist eine Rechnung wie bei gewöhnlichen Dividenden nicht ohne Weiteres passend. Die Behandlung deiner konkreten Zahlung und die Anrechnung bei tariflicher Besteuerung nach § 34c EStG sind gesondert zu klären.

Quellen: Lei Complementar 224, Art. 8 und 14, BFH, 06.06.2012, I R 6, 8/11, § 32d Abs. 2 Nr. 4 EStG und § 34c EStG. Eine einheitliche aktuelle Brasilien/JCP-Abrechnungspraxis aller deutschen Broker ist damit nicht belegt.


3. Rechenbeispiel: Was bleibt netto?

Gewöhnliche Dividende: 10 % Quellensteuer

Modellannahmen: 1.000 € Bruttodividende, 25 % deutscher Tarif, rechtmäßig erhobene und vollständig anrechenbare 100 € Quellensteuer, kein Ermäßigungsanspruch in Brasilien, kein freier Sparer-Pauschbetrag, keine Verluste, Kirchensteuer oder Gebühren. Der Soli beträgt 5,5 % der deutschen Steuer nach Anrechnung.

SchrittBetrag
Bruttodividende1.000,00 €
Brasilianische Quellensteuer100,00 €
Deutsche Steuer vor Anrechnung250,00 €
Anrechnung brasilianischer Steuer−100,00 €
Verbleibende deutsche Steuer150,00 €
Solidaritätszuschlag8,25 €
Netto741,75 €

JCP: brasilianischen Abzug und deutsches Netto trennen

SchrittBetrag / Einordnung
Brutto-JCP im Modell1.000,00 €
Brasilianische Steuer bei 17,5 %175,00 €
Nach brasilianischem Abzug825,00 € vor deutscher Steuer und Kosten
Deutscher Tarif und AnrechnungGesondert prüfen, insbesondere § 32d Abs. 2 Nr. 4 und § 34c EStG
Endgültiges NettoOhne diese Prüfung kein belastbarer Pauschalbetrag
Kein pauschaler „2,5-%-Verlust“ bei JCP:
Ohne DBA gibt es keine aus dem Vertrag abgeleitete 15-%-Grenze. Ob und in welcher Höhe die brasilianische Steuer in Deutschland berücksichtigt wird, hängt vom einschlägigen deutschen Besteuerungs- und Anrechnungsregime ab. Ebenso wenig lässt sich aus einer deutschen Anrechnungsgrenze ein brasilianischer Erstattungsanspruch ableiten.

Rechtsgrundlagen: § 32d EStG, § 34c EStG und § 3 SolzG. Bei einer nach Übergangsrecht ohne brasilianischen Abzug gezahlten gewöhnlichen Dividende blieben im gleichen 25-%-Modell 736,25 €; der Unterschied entsteht durch den deutschen Soli.


4. Kein DBA: Was folgt daraus?

DetailEinordnung
Früheres AbkommenIn Kraft ab 30.12.1975, außer Kraft seit 31.12.2005
HeuteKein anwendbares DBA für die hier beschriebenen Zahlungen
Gewöhnliche Dividende in DeutschlandAnrechnung nach § 32d Abs. 5 EStG unter dessen Voraussetzungen
AnrechnungsgrenzeHöchstens 25 % des einzelnen steuerpflichtigen Ertrags und höchstens die darauf entfallende deutsche Steuer; entstandene Ermäßigungsansprüche abziehen
JCP bei tariflicher BesteuerungGesonderte Prüfung nach § 34c EStG; keine automatische Anwendung der Dividendenrechnung

Quelle zum früheren Vertrag: BMF: deutsch-brasilianisches Abkommen. Aus dem fehlenden DBA folgt weder eine allgemeine 15-%-Grenze noch, dass jeder irrtümliche Einbehalt endgültig verloren wäre. Einen aktuellen Verhandlungsstand für ein neues DBA behaupten wir hier nicht.

Korrektur und nationaler Credit

Bei einem mutmaßlichen Abrechnungsfehler klärst du zunächst mit Bank beziehungsweise Zahlstelle die Ertragsart, den steuerlichen Stichtag und den zugrunde liegenden Beschluss. Bewahre Brutto-/Steuerabrechnung, Emittentenmitteilung und Angaben zur Verwahrkette auf. Eine deutsche Anrechnung ersetzt keine Korrektur eines zu hohen brasilianischen Abzugs.

Art. 10-A der Lei 9.249 sieht außerdem unter besonderen Voraussetzungen einen Credit für ausländische Dividendenempfänger vor, wenn Unternehmensbelastung und neue Dividendensteuer zusammen die einschlägige nominale Belastungsgrenze überschreiten. Das ist keine pauschale Rückzahlung von 10 %. Das Gesetz verweist für Wahlrecht und Antrag auf Ausführungsregeln und nennt dabei 360 Tage, gerechnet nach dem jeweiligen „exercício“. Ein aktuell nutzbares Formular, der genaue operative Fristbeginn und der Zugang für deutsche Privatanleger konnten nicht verifiziert werden. Daher veröffentlichen wir hierfür keinen vermeintlich fertigen Selbstantragsweg.


5. Die Rolle der Depotbanken

Quellensteuerabzug in Brasilien, deutsche Steueranrechnung und ein Erstattungsservice sind drei verschiedene Leistungen. Die bisherige Tabelle versprach bei allen vier Brokern eine automatische Behandlung. Eine aktuelle Brasilien/JCP-spezifische Zusage ist dafür nicht belegt.

BrokerVerifizierter UmfangFür Brasilien/JCP offen
comdirectEine konkrete aktuelle Brasilien/JCP-Zusage wurde nicht verifiziertKlassifikation, deutsche Anrechnung, Belege und mögliche Korrekturkosten
DKBPLV vom 15.09.2026: Quellensteuererstattungen nicht im Leistungsumfang; Tax Voucher 15 €Verfügbarkeit geeigneter Brasilien-Belege und konkrete JCP-Abrechnung; der allgemeine Vorabservicepreis von 30 € belegt keine Brasilien-Leistung
Trade RepublicAllgemeine Dividendensteuer-Hilfe beschreibt Abzüge und NettogutschriftKeine spezielle Zusage zur korrekten JCP-Klassifikation oder brasilianischen Erstattung
Interactive BrokersGebührenübersicht ist kein Beleg für automatische deutsche AnrechnungKontoführende Gesellschaft, Steuerberichte, eigene Erklärung und konkrete Brasilien-Abwicklung klären

Lass dir bei einer Unklarheit die Behandlung der konkreten ISIN und Zahlung erläutern. Ein brasilianischer Einbehalt ist kein Nachweis, dass deutsche Steuer bereits vollständig erledigt ist. Die bestehende Broker-Quellensteuer-Matrix enthält keine eigene Brasilien-Zeile im Länder-Serviceblock; ihr ergänzender Ländervergleich ersetzt diese Einzelprüfung nicht.


6. Sonderfall: BRL/EUR-Wechselkurs

  • Dein Euroertrag hängt auch vom BRL/EUR-Kurs und den Umrechnungskosten ab.
  • Reines Rechenbeispiel, kein aktueller Devisenkurs: 600 BRL entsprechen bei 6 BRL je Euro 100 €. Bei 6,6 BRL je Euro wären es nur rund 90,91 € – jeweils vor Steuern und Gebühren.
  • Bei einem in USD abgerechneten ADR kann die Zahlung über BRL → USD → EUR laufen. Das kann Kosten und unterschiedliche Umrechnungstermine mit sich bringen. Die zusätzliche Handelswährung verdoppelt das wirtschaftliche Währungsrisiko aber nicht automatisch.
  • Prüfe bei ADRs neben dem Wechselkurs auch das Verhältnis zur Stammaktie und etwaige Depotbankgebühren.

Belege zur getrennten Behandlung von Aktie, ADR und Zahlungsweg: Bradesco-Aktionärsinformation und Emittentenprospekt Azul, 28.08.2026, Brazilian Taxation.


7. Ländervergleich

Vergleich gewöhnlicher Dividenden für deutsche Privatanleger. Fonds, REITs und Sonderzahlungen können abweichen; Erstattung setzt einen Anspruch und passende Belege voraus.

Land / ErtragQuellensteuerDBA?Einordnung
Großbritannien0 % auf gewöhnliche DividendenJaUK-REIT-PIDs gesondert behandeln
Australien: frankiert / CFI0 %JaFrankierte Beträge und ausdrücklich ausgewiesenes Conduit Foreign Income
Brasilien: DividendeRegulär 10 %NeinÜbergangsregeln; deutsche Anrechnung mit Voraussetzungen
Brasilien: JCPRegulär 17,5 %NeinDeutscher Tarif und Anrechnung gesondert; kein pauschaler 2,5-%-Verlust
USA30 % national / 15 % bei DBA-BerechtigungJaPassende steuerliche Dokumentation erforderlich
Schweiz35 % / 15 % nach DBA-EntlastungJa20 Prozentpunkte bei berechtigtem Erstattungsantrag

Einordnung und Originalquellen: Großbritannien, Australien, USA und Schweiz. Der Quellensteuersatz allein macht ein Land nicht zur besseren Anlage.


8. ETFs auf brasilianische Aktien

  • iShares MSCI Brazil UCITS ETF USD (Dist): ISIN IE00B0M63516, Domizil Irland laut Anbieter. Ähnlich benannte Produkte können anders domiziliert sein.
  • Xtrackers MSCI Brazil UCITS ETF 1C: ISIN LU0292109344, Domizil Luxemburg laut Anbieter-KID vom 17.07.2025.
  • Brasilianische Quellensteuer innerhalb eines Fonds und deine Besteuerung der Fondsanteile sind getrennte Ebenen. Fondsdomizil und Struktur beeinflussen die Behandlung.
  • Für steuerlich qualifizierte Aktienfonds im deutschen Privatvermögen gelten grundsätzlich 30 % Teilfreistellung nach § 20 InvStG. Das ist keine genaue Rückzahlung der vom Fonds getragenen Quellensteuer.
  • Auch ein ETF beseitigt Länder-, Unternehmens- und Währungsrisiken nicht. Die Beispiele sind keine Produktempfehlung.

9. Zinsen und Kursgewinne

ErtragsartBrasilianische BehandlungAbgrenzung
Gewöhnliche DividendeRegulär 10 % seit 2026Übergang und Auslandsansässigkeit prüfen
JCPRegulär 17,5 % seit 2026Zahlung/Gutschrift und frühere steuerliche Erfassung prüfen
Zinsen / AnleihenKein einheitlicher Satz für alle ProdukteInstrument, Laufzeit, Anlegerregime und gesetzliche Befreiungen sind relevant
Gewinn aus AktienverkaufJe nach Registrierung und Handelsweg steuerpflichtig oder befreitKeine allgemeine 15-%-Quote für alle deutschen Anleger
Keine pauschalen 15 % auf jeden Aktienverkauf:
Registrierte nicht ansässige Portfolioanleger außerhalb begünstigt besteuerter Jurisdiktionen können bei qualifizierten Börsengeschäften steuerfrei sein. Außerbörsliche Verkäufe, Direktbeteiligungen, besondere Anlegerregime und ADR-Transaktionen sind getrennt zu prüfen. Auch ein ADR ist keine universelle Steuerbefreiungsgarantie.

Grundlage für besondere Portfolio-Börsengewinne: Lei 8.981, Art. 81 §§ 1, 2 und 5. Der aktuelle Azul-Prospekt vom 28.08.2026, Abschnitt Brazilian Taxation erläutert Registrierung, Handelsweg und verbleibende Auslegungsrisiken bei ADRs. Diese Abgrenzung ersetzt keine Prüfung eines konkreten Verkaufs.


10. Acht brasilianische Aktien: Dividende oder JCP?

Eine Gesellschaft kann mehrere Ertragsarten zahlen. Die folgenden Originalangaben zeigen konkrete Beispiele beziehungsweise den angegebenen Quellenstand. Sie sind kein Renditeranking; angekündigte Termine sind kein Nachweis der Gutschrift in deinem Depot.

UnternehmenBrancheErtragsbeispiel / StandOriginalbeleg
Itaú UnibancoBankenBeschluss 28.05.2026: JCP 0,36188 BRL brutto je Aktie, 17,5 % Abzug; Zahlung angekündigt bis 31.08.2026Emittentenmitteilung
PetrobrasEnergieZahlungshistorie: 20.08. und 21.09.2026 jeweils 0,350486 BRL brutto je Aktie als JCPDividenden- und JCP-Historie
Banco do BrasilBankenEmittenten-FAQ beschreibt Dividenden/JCP und quartalsweise Vergütung; keine aktuelle Rendite oder feste Ausschüttungsquote daraus ableitenAktionärs-FAQ; Abruf 27.09.2026
AmbevGetränkeBeschluss 04.05.2026: JCP mit Zahlung für 30.12.2026 angekündigtDividenden/JCP-Tabelle
ValeRohstoffeBeschluss 30.07.2026: 1,568705805 BRL JCP plus 0,462016093 BRL Dividende je Aktie; Zahlung für 02.09., ADRs 10.09.2026 angekündigtAusschüttungsmitteilung
Telefônica BrasilTelekommunikationBeschluss 12.02.2026: JCP 0,101702 BRL brutto je Aktie, Zahlung bis 30.04.2027 angekündigt; Kapitalherabsetzungen separat behandelnZahlungstabelle
BradescoBankenKalender 2026 enthält monatliche JCP, etwa die Zahlung am 01.09.2026Aktionärsvergütung
B3BörseninfrastrukturBeschluss 18.06.2026: JCP 0,07119 und 0,14998 BRL brutto je Aktie; Zahlung laut Historie 07.07.2026Ausschüttungshistorie

Wichtig: Vom Emittenten ausgewiesene Nettobeträge gelten nicht automatisch für jeden ausländischen Aktionär. Steueransässigkeit, Altgutschrift, ADR-Verhältnis und Gebühren können die tatsächliche Abrechnung verändern.


11. Checkliste für brasilianische Aktien

  1. Ertragsart feststellen: gewöhnliche Dividende, JCP, Kapitalherabsetzung oder Fonds-/ADR-Zahlung?
  2. Stichtage abgleichen: Gewinnjahr, Beschluss, steuerliche Gutschrift und Auszahlung nicht gleichsetzen.
  3. Brasilianischen Abzug prüfen: regulär 10 % beziehungsweise 17,5 %, mit belegten Ausnahmen und Übergangsregeln.
  4. Deutsche Behandlung kontrollieren: keine allgemeine 15-%-Anrechnungsgrenze; bei abgezogenen JCP den Tarifvorbehalt beachten.
  5. Belege aufheben: Emittentenmitteilung, Brutto-/Steuerabrechnung, Umrechnung und gegebenenfalls ADR-Gebühren.
  6. Abweichung klären: konkrete Zahlung und Rechtsgrundlage bei Bank/Zahlstelle prüfen lassen; nationale Korrektur und deutsche Anrechnung getrennt behandeln.

12. FAQ: Häufige Fragen

Seit wann erhebt Brasilien Quellensteuer auf Dividenden?

Seit Januar 2026 gilt für Dividenden an Auslandsanleger regulär ein Abzug von 10 %. Für ältere Gewinne und rechtzeitig beschlossene Ausschüttungen gibt es Übergangsregeln. Die 50.000-BRL-Schwelle für brasilianische Privatpersonen gilt nicht für deutsche Auslandsanleger.

Was ist JCP?

Juros sobre Capital Próprio sind Ausschüttungen auf Eigenkapital, mit regulär 17,5 % brasilianischem Abzug seit 2026. Bei steuerlich abgezogenen JCP ist in Deutschland insbesondere § 32d Abs. 2 Nr. 4 EStG zu beachten. Eine pauschale 15-%-Anrechnungsgrenze oder ein stets verlorener 2,5-%-Anteil folgt daraus nicht.

Gibt es ein DBA mit Deutschland?

Nein. Das frühere Abkommen ist seit 31.12.2005 außer Kraft. Deutsche Anrechnung kann trotzdem möglich sein: für gewöhnliche Abgeltungsteuererträge nach § 32d Abs. 5 EStG, bei tariflicher Besteuerung gesondert nach § 34c EStG.

Kann ich zu viel gezahlte Quellensteuer zurückfordern?

Ein DBA-Erstattungsweg besteht nicht. Fehlerhafter Abzug und nationale Ansprüche sind aber gesondert zu prüfen. Art. 10-A der Lei 9.249 sieht einen besonderen Credit für bestimmte Auslandsdividenden vor; ein verifizierter praktischer Selbstantragsweg für deutsche Privatanleger liegt uns nicht vor.

Warum wurde das DBA gekündigt?

Das BMF dokumentiert das Außerkrafttreten zum 31.12.2005. Die bisherige knappe Begründung im Artikel und die Behauptung, es gebe keine neuen Verhandlungen, waren nicht ausreichend belegt. Entscheidend für heutige Zahlungen ist das fehlende anwendbare DBA, nicht eine vermutete Verhandlungslage.

Werden Kursgewinne in Brasilien besteuert?

Das hängt unter anderem von Anlegerregistrierung und Handelsweg ab. Qualifizierte Börsengewinne nicht ansässiger Portfolioanleger können befreit sein. Außerbörsliche Verkäufe und ADR-Fälle haben weitere Abgrenzungen. Die frühere Aussage „immer 15 %“ war zu pauschal.

Lohnt sich Petrobras trotz Quellensteuer?

Der Steuersatz allein beantwortet das nicht. Petrobras zahlt auch JCP; eine reine 10-%-Dividendenrechnung passt deshalb nicht für jede Zahlung. Unternehmensentwicklung, Bewertung, politische Einflüsse, Währung und Kosten gehören ebenfalls zur Beurteilung. Eine Kaufempfehlung leiten wir daraus nicht ab.


Fazit: Ertragsart und Steuerereignis zuerst prüfen

  • Seit 2026 regulär 10 % auf Auslandsdividenden und 17,5 % auf JCP; Übergänge und Altgutschriften beachten.
  • Kein DBA bedeutet keine pauschale 15-%-Anrechnungsgrenze und kein allgemeines Verbot nationaler Korrekturen.
  • Bei JCP kann der deutsche 25-%-Tarif ausgeschlossen sein; ein festes Netto wäre ohne weitere Prüfung irreführend.
  • Brokerleistung, Unternehmensmitteilung, Umrechnung und konkrete Steuerabrechnung getrennt kontrollieren.

Die konkreten Ausschüttungsunterlagen helfen mehr als eine einzige Länderquote. Prüfe, was gezahlt oder gutgeschrieben wurde, welcher brasilianische Abzug anfiel und welches deutsche Steuerregime gilt. Wo Brokerpraxis oder ein nationaler Antragsweg nicht belastbar verifiziert sind, bleibt dies ausdrücklich offen.

Offene Fragen betreffen insbesondere die konkrete JCP-Veranlagung, den praktischen Antrag nach Art. 10-A und den endgültigen gerichtlichen Stand zur Übergangsfrist.


Haftungshinweis:
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Steuerberatung dar.
Brasilien hat 2026 weitreichende Steuerreformen umgesetzt.

Quellen: Receita Federal | Bundeszentralamt für Steuern | Konkrete Primärbelege stehen bei den jeweiligen Aussagen. Quellenprüfung: 27.09.2026.

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Juros sobre Capital Próprio sind Ausschüttungen auf Eigenkapital, mit regulär 17,5 % brasilianischem Abzug seit 2026. Bei steuerlich abgezogenen JCP ist in Deutschland insbesondere § 32d Abs. 2 Nr. 4 EStG zu beachten. Eine pauschale 15-%-Anrechnungsgrenze oder ein stets verlorener 2,5-%-Anteil folgt daraus nicht.

Gibt es ein DBA mit Deutschland?

Nein. Das frühere Abkommen ist seit 31.12.2005 außer Kraft. Deutsche Anrechnung kann trotzdem möglich sein: für gewöhnliche Abgeltungsteuererträge nach § 32d Abs. 5 EStG, bei tariflicher Besteuerung gesondert nach § 34c EStG.

Kann ich zu viel gezahlte QSt zurückfordern?

Ein DBA-Erstattungsweg besteht nicht. Fehlerhafter Abzug und nationale Ansprüche sind aber gesondert zu prüfen. Art. 10-A der Lei 9.249 sieht einen besonderen Credit für bestimmte Auslandsdividenden vor; ein verifizierter praktischer Selbstantragsweg für deutsche Privatanleger liegt uns nicht vor.

Warum wurde das DBA gekündigt?

Das BMF dokumentiert das Außerkrafttreten zum 31.12.2005. Die bisherige knappe Begründung im Artikel und die Behauptung, es gebe keine neuen Verhandlungen, waren nicht ausreichend belegt. Entscheidend für heutige Zahlungen ist das fehlende anwendbare DBA, nicht eine vermutete Verhandlungslage.

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