Die Moderne Anleihe? P2P-Kredite Aus Sicht Eines Dividendenanlegers

In den 1980ern brachte die Bundesanleihe 7 % Zinsen – Dividenden mussten sich gegen dieses risikolose Einkommen behaupten. Heute sind P2P-Kredite der neue Zinskonkurrent. Aber der Vergleich hinkt – und zwar gewaltig.

Eine kurze Geschichte: Dividenden vs. Fixed Income

1980er-1990er: Die goldene Ära der Anleihen

Deutsche Bundesanleihen brachten in den 1980ern 6-9 % Zinsen pro Jahr. Risikofrei, staatlich garantiert. Wer brauchte da noch Dividendenaktien?

Die Antwort kam in den 1990ern und 2000ern: Dividendenanleger, die ihre Ausschüttungen reinvestierten, erzielten langfristig höhere Gesamtrenditen als Anleihen-Investoren – denn Dividenden wachsen, Anleihe-Kupons nicht.

2010-2022: Die TINA-Ära (There Is No Alternative)

Mit der Nullzinspolitik der EZB verschwanden die Anleihe-Zinsen. 10-jährige Bundesanleihen rentierten zeitweise negativ – du musstest Geld zahlen, um dem Staat Geld zu leihen.

Dividendenaktien wurden zur „neuen Anleihe“ – die einzige Möglichkeit, regelmäßige Einkünfte zu erzielen. Und genau in dieses Vakuum stießen P2P-Plattformen, die plötzlich 10-14 % versprachen.

2023-2026: Zinswende – und P2P unter Druck

Mit den Zinserhöhungen der EZB 2022-2024 veränderte sich die Landschaft erneut:

  • Tagesgeld bringt wieder 3-3,5 % – risikolos
  • Festgeld: 3,5 % für 1 Jahr – mit Einlagensicherung
  • Staatsanleihen: 2,5-3 % – AAA-Rating
  • P2P-Kredite: Die Attraktivität sinkt, denn warum 10 % mit Risiko nehmen, wenn 3,5 % ohne Risiko gibt?

P2P = Unregulierte Junk Bonds ohne Rating

Wenn wir P2P-Kredite ehrlich einordnen, sind sie am ehesten mit Hochzinsanleihen (Junk Bonds) vergleichbar – allerdings mit drei entscheidenden Nachteilen:

MerkmalUnternehmensanleiheP2P-Kredit
Rating✅ Moody’s, S&P, Fitch❌ Kein unabhängiges Rating
RegulierungBaFin, Wertpapierprospekt⚠️ Teilweise (nur Mintos reguliert)
HandelbarkeitBörse, jederzeit⚠️ Sekundärmarkt, mit Abschlag
Emittent bekannt?✅ Öffentliches Unternehmen❌ Oft unbekannte Privatpersonen
Sicherheiten✅ Oft besichert⚠️ Meist unbesichert
Recovery bei Ausfall~40-60 % (historisch)~0-30 % (Kuetzal: 30 %, Grupeer: 0 %)
Laufzeit wählbar?✅ 1-30 Jahre✅ 1-60 Monate
Rendite (brutto)4-7 % (Investment Grade)10-14 %

Die höhere Rendite von P2P-Krediten kompensiert also lediglich das deutlich höhere Risiko. Das ist kein Geschenk – das ist Fair-Value-Pricing für eine schlechte Kreditqualität.

Was Anleihen besser machen als P2P

1. Transparenz durch Ratings

Jede börsengehandelte Anleihe hat ein Rating von mindestens einer der drei großen Agenturen. Ein BBB-Rating sagt dir: Die Ausfallwahrscheinlichkeit liegt bei ~0,3 % pro Jahr. Bei P2P? Du verlässt dich auf die Risikoklasse der Plattform – die ihre eigenen Kredite bewertet.

2. Regulierung schützt Anleger

Anleihen-Emittenten müssen einen Wertpapierprospekt bei der BaFin hinterlegen – mit allen Risiken, Finanzzahlen und Bedingungen. P2P-Plattformen? Viele operieren aus dem Baltikum mit minimaler Aufsicht.

3. Anleihen-ETFs bieten einfache Diversifikation

Mit einem einzigen Anleihen-ETF (z.B. iShares Global Corporate Bond) streust du über Tausende Unternehmensanleihen weltweit. Bei P2P musst du selbst über Plattformen, Kreditgeber und Länder diversifizieren – viel Aufwand.

Und wo stehen Dividenden in diesem Vergleich?

Dividendenaktien sind weder Anleihen noch P2P – sie sind Eigenkapital. Und genau das ist ihr entscheidender Vorteil:

EigenschaftAnleihe/P2P (Fremdkapital)Dividendenaktie (Eigenkapital)
Du bistGläubiger (gibst einen Kredit)Eigentümer (besitzt Unternehmensanteil)
ErtragFester Zins (Kupon)Variable Dividende + Kursgewinn
Wachstum❌ Kupon bleibt gleichDividende kann jährlich steigen
Inflationsschutz❌ Festzins wird real weniger wert✅ Unternehmen können Preise erhöhen
Wertsteigerung❌ Rückzahlung zum Nennwert✅ Unbegrenztes Kurspotenzial
Im InsolvenzfallVorrang vor AktionärenNachrang, aber: Sondervermögen im Depot

Das ist der Grund, warum Dividendenaristokraten über Jahrzehnte mehr Vermögen aufbauen als Anleihen-Portfolios: Die Dividende wächst mit dem Unternehmen. Ein Anleihe-Kupon oder P2P-Zins bleibt fix.

Der optimale Mix für 2026

Für Anleger, die alle drei Instrumente nutzen wollen, empfehlen wir:

BausteinAnteilZweckBeispiel
Dividendenaktien/-ETFs60-75 %Wachstum + EinkommenVanguard FTSE All-World High Dividend
Anleihen-ETFs15-25 %Stabilität + ZinsiShares Euro Corporate Bond
P2P-Kredite5-10 %Cashflow-BoosterMintos Core Loans
Cash (Tagesgeld)5-10 %LiquiditätsreserveTagesgeld bei Direktbank

Wichtig: P2P sollte nie die Basis sein. Es ist das Gewürz – nicht das Hauptgericht.

Fazit: P2P ist keine Alternative zu Dividenden – sondern eine zu Anleihen

Wer P2P-Kredite mit Dividenden vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen: Fremdkapital versus Eigenkapital. Der richtige Vergleich ist P2P vs. Anleihen – und hier schneiden klassische Anleihen-ETFs in fast allen Belangen besser ab.

Dividenden bleiben das, was sie immer waren: der beste Weg, als Eigentümer am Erfolg der besten Unternehmen der Welt teilzuhaben. Kein P2P-Kredit kann dir dasselbe bieten.

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