Passives Einkommen Versteuern 2026: Was Bleibt Netto Von Dividenden, P2P Und Zinsen?

Du erzielst Dividenden, P2P-Zinsen und Tagesgeldzinsen – aber wie viel bleibt nach Steuern wirklich übrig? Wir rechnen alle passiven Einkommensquellen netto durch und zeigen dir drei Strategien zur Steueroptimierung.

Die Steuer-Grundregel: 26,375 % auf alles

In Deutschland werden alle Kapitalerträge einheitlich mit der Abgeltungssteuer besteuert:

Der Sparerpauschbetrag befreit die ersten 1.000 € pro Person (2.000 € für Ehepaare) von der Steuer.

Die große Netto-Vergleichstabelle

Was bleibt von 10.000 € Brutto-Ertrag bei verschiedenen Einkommensquellen? (Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft)

EinkommensquelleBruttoSteuerAufwandNetto
Dividende (DE-Aktie)10.000 €2.637 € (autom.)Null7.363 €
Dividende (US-Aktie, W-8BEN)10.000 €~2.500 € (QSt + Rest)Gering~7.500 €
Dividende (CH-Aktie, ohne Rückforderung)10.000 €~3.500 € (35 % QSt!)Hoch bei Rückforderung~6.500 €
P2P-Zinsen (Mintos/Bondora)10.000 €2.637 € (manuell!)Hoch (Anlage KAP)7.363 €
Tagesgeld10.000 €2.637 € (autom.)Null7.363 €
Anleihen-ETF (ausch.)10.000 €2.637 € (autom.)Null7.363 €
Aktien-ETF (thes.)10.000 € *~500-800 € (Vorabpauschale)Gering~9.200 € **

* Bei thesaurierenden ETFs wird nur die Vorabpauschale jährlich besteuert. Der Rest erst beim Verkauf.
** Steuer wird aufgeschoben, nicht gespart – aber der Zinseszinseffekt auf den aufgeschobenen Betrag ist enorm.

Die wichtigsten Unterschiede im Detail

Dividenden: Automatisch und bequem

Deutsche Broker führen die Steuer automatisch ab. Du musst nichts tun – außer einen Freistellungsauftrag einzurichten. Bei ausländischen Dividenden wird die anrechenbare Quellensteuer (max. 15 %) automatisch gegengerechnet.

P2P-Zinsen: Der Steuer-Stress

Da Mintos, Bondora & Co. im Ausland sitzen und keine deutsche Steuer abführen, musst du:

  1. Steuerbericht exportieren (jede Plattform einzeln)
  2. Alle Zinserträge in der Anlage KAP eintragen
  3. Bei Verlusten: Uneinbringlichkeitsbescheinigung beschaffen
  4. Ausländische Quellensteuern ggf. separat anrechnen

Wer das nicht macht, riskiert den Vorwurf der Steuerhinterziehung.

Thesaurierende ETFs: Der Steuerstundungs-Champion

Bei thesaurierenden ETFs wird der Großteil der Steuer erst beim Verkauf fällig. Bis dahin arbeitet dein gesamtes Kapital für dich – inklusive des Steueranteils. Über 20+ Jahre summiert sich dieser Vorteil erheblich.

Allerdings: Du erhältst keinen regelmäßigen Cashflow. Für passives Einkommen brauchst du ausschüttende Varianten.

3 Strategien zur Steueroptimierung

Strategie 1: Sparerpauschbetrag voll ausschöpfen

Klingt banal, aber viele Anleger verschenken hier Geld:

  • 1.000 € × 26,375 % = 264 € Steuerersparnis pro Jahr
  • Bei Ehepaaren: 2.000 € = 528 €/Jahr
  • Freistellungsauftrag auf alle Depots verteilen
  • P2P-Zinsen fließen auch in den Pauschbetrag!

Strategie 2: Günstigerprüfung für Geringverdiener

Wer einen persönlichen Steuersatz unter 25 % hat (Studenten, Teilzeitkräfte, Rentner), kann über die Günstigerprüfung den niedrigeren Satz anwenden. Das lohnt sich bei einem zu versteuernden Einkommen unter ~17.500 €.

Strategie 3: Verlustverrechnung nutzen

Realisierte Verluste können mit Gewinnen verrechnet werden:

  • Aktien-Verlusttopf: Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Aktiengewinnen verrechenbar
  • Allgemeiner Verlusttopf: Sonstige Verluste (P2P-Ausfälle, Optionen) mit Dividenden, Zinsen verrechenbar
  • P2P-Verluste können also Dividenden-Steuern reduzieren!

Fazit: Was ist steuerlich am cleversten?

Für passives Einkommen sind Dividenden steuerlich am unkompliziertesten: automatischer Abzug, automatische Quellensteueranrechnung, keine Steuererklärung nötig (bei deutschen Brokern).

P2P-Kredite bringen bei gleicher Netto-Rendite deutlich mehr Verwaltungsaufwand. Und thesaurierende ETFs sind zwar der Steuer-Champion – liefern aber keinen laufenden Cashflow.

Die optimale Kombination: Ausschüttende Dividenden-ETFs als Einkommensquelle, thesaurierende ETFs für den Vermögensaufbau, und Sparerpauschbetrag voll ausschöpfen.

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