Du erzielst Dividenden, P2P-Zinsen und Tagesgeldzinsen – aber wie viel bleibt nach Steuern wirklich übrig? Wir rechnen alle passiven Einkommensquellen netto durch und zeigen dir drei Strategien zur Steueroptimierung.
Die Steuer-Grundregel: 26,375 % auf alles
In Deutschland werden alle Kapitalerträge einheitlich mit der Abgeltungssteuer besteuert:
- 25 % Abgeltungssteuer
- + 5,5 % Solidaritätszuschlag (auf die Steuer)
- = 26,375 % Gesamtbelastung
- + ggf. 8-9 % Kirchensteuer (auf die Steuer)
Der Sparerpauschbetrag befreit die ersten 1.000 € pro Person (2.000 € für Ehepaare) von der Steuer.
Die große Netto-Vergleichstabelle
Was bleibt von 10.000 € Brutto-Ertrag bei verschiedenen Einkommensquellen? (Sparerpauschbetrag bereits ausgeschöpft)
| Einkommensquelle | Brutto | Steuer | Aufwand | Netto |
|---|---|---|---|---|
| Dividende (DE-Aktie) | 10.000 € | 2.637 € (autom.) | Null | 7.363 € |
| Dividende (US-Aktie, W-8BEN) | 10.000 € | ~2.500 € (QSt + Rest) | Gering | ~7.500 € |
| Dividende (CH-Aktie, ohne Rückforderung) | 10.000 € | ~3.500 € (35 % QSt!) | Hoch bei Rückforderung | ~6.500 € |
| P2P-Zinsen (Mintos/Bondora) | 10.000 € | 2.637 € (manuell!) | Hoch (Anlage KAP) | 7.363 € |
| Tagesgeld | 10.000 € | 2.637 € (autom.) | Null | 7.363 € |
| Anleihen-ETF (ausch.) | 10.000 € | 2.637 € (autom.) | Null | 7.363 € |
| Aktien-ETF (thes.) | 10.000 € * | ~500-800 € (Vorabpauschale) | Gering | ~9.200 € ** |
* Bei thesaurierenden ETFs wird nur die Vorabpauschale jährlich besteuert. Der Rest erst beim Verkauf.
** Steuer wird aufgeschoben, nicht gespart – aber der Zinseszinseffekt auf den aufgeschobenen Betrag ist enorm.
Die wichtigsten Unterschiede im Detail
Dividenden: Automatisch und bequem
Deutsche Broker führen die Steuer automatisch ab. Du musst nichts tun – außer einen Freistellungsauftrag einzurichten. Bei ausländischen Dividenden wird die anrechenbare Quellensteuer (max. 15 %) automatisch gegengerechnet.
P2P-Zinsen: Der Steuer-Stress
Da Mintos, Bondora & Co. im Ausland sitzen und keine deutsche Steuer abführen, musst du:
- Steuerbericht exportieren (jede Plattform einzeln)
- Alle Zinserträge in der Anlage KAP eintragen
- Bei Verlusten: Uneinbringlichkeitsbescheinigung beschaffen
- Ausländische Quellensteuern ggf. separat anrechnen
Wer das nicht macht, riskiert den Vorwurf der Steuerhinterziehung.
Thesaurierende ETFs: Der Steuerstundungs-Champion
Bei thesaurierenden ETFs wird der Großteil der Steuer erst beim Verkauf fällig. Bis dahin arbeitet dein gesamtes Kapital für dich – inklusive des Steueranteils. Über 20+ Jahre summiert sich dieser Vorteil erheblich.
Allerdings: Du erhältst keinen regelmäßigen Cashflow. Für passives Einkommen brauchst du ausschüttende Varianten.
3 Strategien zur Steueroptimierung
Strategie 1: Sparerpauschbetrag voll ausschöpfen
Klingt banal, aber viele Anleger verschenken hier Geld:
- 1.000 € × 26,375 % = 264 € Steuerersparnis pro Jahr
- Bei Ehepaaren: 2.000 € = 528 €/Jahr
- Freistellungsauftrag auf alle Depots verteilen
- P2P-Zinsen fließen auch in den Pauschbetrag!
Strategie 2: Günstigerprüfung für Geringverdiener
Wer einen persönlichen Steuersatz unter 25 % hat (Studenten, Teilzeitkräfte, Rentner), kann über die Günstigerprüfung den niedrigeren Satz anwenden. Das lohnt sich bei einem zu versteuernden Einkommen unter ~17.500 €.
Strategie 3: Verlustverrechnung nutzen
Realisierte Verluste können mit Gewinnen verrechnet werden:
- Aktien-Verlusttopf: Verluste aus Aktienverkäufen nur mit Aktiengewinnen verrechenbar
- Allgemeiner Verlusttopf: Sonstige Verluste (P2P-Ausfälle, Optionen) mit Dividenden, Zinsen verrechenbar
- P2P-Verluste können also Dividenden-Steuern reduzieren!
Fazit: Was ist steuerlich am cleversten?
Für passives Einkommen sind Dividenden steuerlich am unkompliziertesten: automatischer Abzug, automatische Quellensteueranrechnung, keine Steuererklärung nötig (bei deutschen Brokern).
P2P-Kredite bringen bei gleicher Netto-Rendite deutlich mehr Verwaltungsaufwand. Und thesaurierende ETFs sind zwar der Steuer-Champion – liefern aber keinen laufenden Cashflow.
Die optimale Kombination: Ausschüttende Dividenden-ETFs als Einkommensquelle, thesaurierende ETFs für den Vermögensaufbau, und Sparerpauschbetrag voll ausschöpfen.
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